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Meisner-Auktionstaxe fast eine halbe Million Euro

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 29.04.2018, 18:33 Uhr
Presse-Ressort von: Joachim Raffelberg Bericht 5225x gelesen

Köln [ENA] Auf fast eine halbe Million Euro taxiert das Auktionshaus Lempertz Kunstwerke aus dem Besitz von Kardinal Joachim Meisner, die am 16. Mai in Köln versteigert werden. Laut Auktionskatalog kommen 28 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen unter den Hammer. Wertvollstes Stück ist ein auf etwa €160.000 geschätzter 700 Jahre alter Klappaltar. Für September ist eine weitere Versteigerung des Meisner-Nachlasses angekündigt.

Dann sollen nach den Werken Alter Meister und des 19. Jahrhunderts Ikonen, Möbel und Porzellan aus dem Erbe des letzten Juli verstorbenen Kardinals veräussert werden. Dem Generalvikariat zufolge gehen sämtliche Auktionserlöse an die Kardinal-Meisner-Stiftung, deren Zweck die Förderung der Seelsorge im Erzbistum Köln und in Osteuropa sei. Die höchsten Taxen wurden neben dem gotischen Flügelaltar des Maestro di Tobia (“Thronende Muttergottes”, Tempera auf Holz; Florenz ca. 1345-1370) sieben Einlieferungen zuerkannt:

Carl Gustav Carus (“Tor bei einer gotischen Kirche im Mondschein”, Öl auf Karton; €40.000); Carl Rottmann (“Morgensonne über dem Meer”, Öl auf Leinwand, 1840er Jahre; €25.000); Oswald Achenbach (“Rom-Ansicht mit der Engelsburg und einem Angler am Tiberufer”, Öl auf Leinwand, 1883; €20.000); Franz Anton Maulbertsch (“Die Enthauptung Johannes des Täufers”, Öl auf Leinwand; €18.000); Mittelrheinischer Meister (“Madonna mit Kind”, Öl auf Holz, um 1470; €15.000); Ludwig Richter (“Der Ochsenkarren”, Aquarell, 1836; €14.000) und Martin Johann Schmidt, gen. Kremser-Schmidt (“Die Rückkehr des verlorenen Sohnes”, Öl auf Leinwand, 1792; €12.000). 20 Werke wurden auf jeweils weniger als €10.000 geschätzt.

Laut Erzbistum hat der gotische Klappaltar, der auch für Gottesdienste auf der Reise benutzt wurde, durch aufwendige Expertenrecherche neu eingeordnet und zugeschrieben werden können. Wie er stammen die anderen Kernstücke der Maiauktion aus dem Nachlass der Bildhauerin Hildegard Domizlaff, der Kardinal Meisner aufgrund persönlicher Verbundenheit mit der Künstlerin zugefallen sei. Vieles habe er als Kunstliebhaber und -kenner aber auch selbst erworben, als heute hoch gehandelte Kunst noch günstig zu erwerben gewesen sei, z. B. Malerei des 19. Jahrhunderts.

Im Nachlass Meisners finden sich viele sakrale Stücke und Bilder mit Bezug zu seiner schlesischen Heimat (er wurde 1933 in Breslau geboren) und seinen Lebensstationen, so beispielsweise ein silhouettiertes Relief der Heiligen Hedwig, der Landespatronin Schlesiens, und eine geschnitzte Skulptur “Anna Selbdritt”, die ebenfalls einem mitteldeutschen Künstler des 15. Jahrhunderts zugeschrieben wird und in der christlichen Ikonographie die heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind darstellt. Das Auktionsgut für den 16. Mai enthält auch Ludwig Richters (1803-1884) Zeichnungen “Schneewittchen” (€3.000) und “Im Beichtstuhl” (€2.000).

Einer Mitteilung des Generalvikariats zufolge hatte Kardinal Meisner schon zu Lebzeiten die mit dem Domizlaff-Nachlass verbundenen Auflagen, damit Gutes zu tun, erfüllt, und wollte nun, dass auch die übrigen Stücke nach seinem Tode einem guten Zweck zugeführt würden. Meisner wäre nach Auskunft der Kirche wohl selbst mehr als überrascht über den nun angesetzten Schätzpreis gewesen. Weitere Kunstwerke des Nachlasses seien ihm im Lauf eines langen Lebens von Freunden und Wohltätern geschenkt worden, etwa als Anerkennung für seinen hohen persönlichen Einsatz für die Kirche.

Die Kardinal-Meisner-Stiftung, die zur Würdigung des Lebenswerks des als sehr konservativ geltenden Kirchenfürsten durch das Erzbistum Köln 2014 errichtet wurde, führe sein Engagement über seinen Tod hinaus fort, erklärte das Generalvikariat. Zur Förderung von Projekten und Maßnahmen der Pastoral- und Gemeindeentwicklung war die Treuhandstiftung unter dem Dach der Erzbischöflichen Stiftung Köln mit einem Kapital von €1.046.564 ausgestattet worden. Die Gesamtbilanzsumme der Treuhandstiftungen des Erzbistums betrug laut Rechnungsbericht 2016 über drei Millionen Euro.

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