Samstag, 26.05.2018 17:37 Uhr

Erzbischöflicher Nachlass für eine Million versteigert

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 17.05.2018, 13:12 Uhr
Presse-Ressort von: Joachim Raffelberg Bericht 2636x gelesen

Köln [ENA] Für knapp eine Million Euro hat das Auktionshaus Lempertz Kunstwerke aus dem Nachlass des Kölner Kardinals Joachim Meisner versteigert und damit den Schätzwert um mehr als das Doppelte übertroffen. Wie Lempertz am Donnerstag in Köln bekannt gab, erzielte dabei ein mittelalterlicher Klappaltar des im letzten Sommer verstorbenen Erzbischofs den Spitzenerlös von 592.000 Euro (Taxe bis 160.000 Euro).

Obwohl sich für neun der insgesamt 28 angebotenen Objekte keine Abnehmer fanden, wurden neben dem Altar mehrere Stücke weit über der Taxe zugeschlagen wie die Ölgemälde “Morgensonne über dem Meer” von Carl Rottmann für 93.000 Euro (Taxe 25.000 Euro), “Tor bei einer gotischen Kirche im Mondschein” von Carl Gustav Carus (fast 80.000 Euro/40.000 Euro) und “Die Enthauptung Johannes des Täufers” von Franz Anton Maulbertsch (über 25.000 Euro/18.000 Euro).

Ein “Corpus Christi” aus Bronze (wohl Maasland, um 1200) erzielte fast 13.000 Euro (4.000 Euro), eine Holzskulptur der schlesischen Landespatronin “Hl. Hedwig” (15. Jahrhundert) fast 15.000 Euro (7.000 Euro) und der Altaraufsatz “Gekreuzigter Schächer” (Antwerpen um 1520/1530) über 26.000 Euro (8.000 Euro). Die genannten Gesamtpreise setzen sich aus Hammergeld und Aufpreis zusammen, einer Prämie, die der Erwerber an den Auktionator zahlt. Das Hammergeld fuer den Klappaltar gab Lempertz mit 400.000 Euro an. Insgesamt wurden für Meisners Kunst des 19. Jahrhunderts 206.584 Euro und für seine Gemälde Alter Meister und Skulpturen 735.564 Euro erlöst.

Bei dem gotischen Flügelaltar “Thronende Muttergottes” (zugeschrieben dem Maestro di Tobia, Florenz ca. 1345-1370) betrug das Aufgeld 114.000 Euro. Wie das Triptychon stammen die anderen Kernstücke der Auktion vom Mittwoch aus dem Nachlass der Bildhauerin Hildegard Domizlaff, der Kardinal Meisner aufgrund persönlicher Verbundenheit mit der Künstlerin zugefallen war. Vieles habe er als Kunstliebhaber und -kenner aber auch selbst erworben, als heute hoch gehandelte Kunst noch günstig zu erwerben gewesen sei, z. B. Malerei des 19. Jahrhunderts, teilte das Kölner Generalvikariat mit. Der Versteigerungserlös fliesse an die Kardinal-Meisner-Stiftung, die Gemeinden im Erzbistum Köln sowie in Osteuropa fördere.

Für September ist eine weitere Versteigerung des Meisner-Nachlasses angekündigt. Dann sollen Ikonen, Möbel und Porzellan aus dem Erbe des verstorbenen Kardinals veräussert werden. Die Kardinal-Meisner-Stiftung, die zur Würdigung des Lebenswerks des als sehr konservativ geltenden Kirchenfürsten durch das Erzbistum Köln 2014 errichtet wurde, führe sein Engagement über seinen Tod hinaus fort, erklärte das Generalvikariat. Die Treuhandstiftung war unter dem Dach der Erzbischöflichen Stiftung Köln mit einem Kapital von €1.046.564 ausgestattet worden. Die Gesamtbilanzsumme der Treuhandstiftungen des Erzbistums betrug laut Rechnungsbericht 2016 über drei Millionen Euro.

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