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Bonner Münsterpfarrer tritt nach Finanzvorwürfen zurück

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Bonn, 11.05.2018, 14:05 Uhr
Presse-Ressort von: Joachim Raffelberg Bericht 3392x gelesen

Bonn [ENA] Wegen “unzulässiger Verwendung” kirchlicher Finanzmittel von knapp einer Million Euro ist der Pfarrer der Bonner Münstergemeinde und Stadtdechant Monsignore Wilfried Schumacher mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das Erzbistum Köln teilte am Freitag weiter mit, Schumacher werde aber keine persönliche Bereicherung vorgeworfen. Die Restaurierung der päpstlichen Basilika werde durch die Vorgänge nicht beeinträchtigt.

Der Mitteilung des Kölner Generalvikariats zufolge hat eine turnusmässigen Prüfung der internen Revision des Erzbistums den Missbrauch in den Jahren 2009 bis 2014 ergeben, deren Ergebnis jetzt auch durch eine externe, unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigt worden sei. Die Mittel seien offenbar zur Finanzierung defizitäre Einrichtungen der Kirchengemeinde, unter anderem des Betriebs des Münster-Carrés, abgezweigt worden. Ausserdem sei es bei Baumaßnahmen der Kirchengemeinde zu Liquiditätsengpässen in vergleichbarer Höhe gekommen.

Die eingesetzten Gelder stammten aus dem Substanzvermögen der Kirchengemeinde und seien entgegen den Regeln nicht wieder verpflichtend angelegt worden. Für Schumacher habe die Untersuchung eine “hervorgehobene Verantwortlichkeit” für die Überwachung der Abläufe und handelnder Personen sowie der Steuerung der wirtschaftlichen Entwicklung der Kirchengemeinde St. Martin abgeleitet. Das Substanzvermögen sei aufgezehrt worden.

Der Prälat habe seine “funktionale Verantwortung” anerkannt und mit sofortiger Wirkung auf die Aufgaben als Pfarrer von St. Martin und als Stadtdechant verzichtet. Die Überprüfung und Ordnung der Gemeindefinanzen werde mit Unterstützung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft fortgesetzt, erklärte das Erzbistum. Dementsprechend prüfe es, welche Massnahmen ergriffen werden müssten, um derartige Fälle in Zukunft zu vermeiden.

Schumacher hatte das Veranstaltungszentrum Münster-Carré bei seiner Eröffnung 2009 als "Schaufenster der katholischen Kirche” in Bonn bezeichnet und als Adresse für Menschen mit Fragen, Problemen, Sorgen und Nöten. Es hatte rund vier Millionen Euro gekostet. Im letzten Juli war das anliegende Bonner Münster für eine umfangreiche zweijährige Generalsanierung geschlossen worden. Statische Probleme, Risse, Feuchtigkeit und veraltete Technik wurden als Gründe für die Restaurierung genannt, die auf über 20 Millionen Euro veranschlagt wurde. Mit der Initiative „Mein Herz schlägt fürs Bonner Münster“ hatte der Bonner Münster-Bauverein zu einer breit angelegten Unterstützung durch Spenden für das Wahrzeichen der Stadt Bonn eingeladen.

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